Orthopädische Gemeinschaftspraxis

Dr. med. Lutz Enderlein/Sabine Maaß/Stephan Heisch

Die Akupunktur aus westlicher Perspektive

Schmerzforschung
Gerade in der Schmerztherapie und hier wiederum insbesondere bei der Therapie der chronischen Schmerzen war und ist die Beschäftigung mit der Akupunktur im Westen eine große Herausforderung. Ungefähr 70 Prozent aller Schmerzen können mit Morphium und seinen Derivate gelindert werden,
35 Prozent aller Schmerzpatienten reagieren sogar auf eine Placebo – Therapie und eine klassische Akupunkturtherapie ist bei 55-85 Prozent hilfreich.
Das macht verständlich, warum die Akupunktur für die Schmerzforschung ein wichtiges Thema ist.

Man hat festgestellt, dass nur die Verwendung der klassischen Akupunkturpunkte zu positiven Behandlungsergebnissen geführt hat. Dabei war auch die regelrechte Anwendung der Nadeln und das Auslösen eines so genannten Nadelgefühls unerlässlich.

Akupunkturpunkte
Frühzeitig versuchte man eine anatomische oder histologische Entsprechung für die klassischen Akupunkturpunkte zu finden. Bereits 1977 entdeckten Forscher eine Übereinstimmung der Akupunkturpunkte mit den so genannten Triggerpunkten, das sind Reizpunkte, deren Berührung Schmerzen auslöst.

Es wurde herausgefunden, dass etwa 80 Prozent aller klassischen Akupunkturpunkte eine körperliche Entsprechung besitzen. Morphologisch zeigen sie sich als Perforation in der oberen, dünnen, sehnenartigen Muskelhaut durch ein Gefäßbündel. Diese Perforationen haben einen Durchmesser von drei bis acht Millimeter.

Außerdem untersuchte man die Hautoberfläche auf elektrische Phänomene. So wurde angenommen, dass der Hautwiderstand an den Akupunkturpunkten deutlich von der sonstigen Hautoberfläche abweicht. Wiederholte Studien haben allerdings gezeigt, dass diese Meinung bisher nicht zu beweisen ist, somit auch die Verwendung von Punktsuchgeräten.

(Eine weitere Therapie geht davon aus, dass es sich bei den Akupunkturpunkten um aktive Spannungsquellen handelt, von denen auf Grund einer erhöhten Eigenladung Strom ausgehe. Nach bisherigen Untersuchungen scheint auch dieser Erklärungssatz nicht haltbar zu sein.)

Leitbahnen
Auch die Leitbahnen versuchte die westliche Medizinforschung anatomisch, histologisch oder elektrophysiologisch nachzuweisen. Man konnte jedoch bisher, anders als bei den Akupunkturpunkten, keinerlei anatomische Grundlage feststellen. Aber bestimmte Beobachtungen lassen immerhin annehmen, dass tatsächlich Leitbahnen exstieren.

Zwei Beispiele belegen diese These:

Neurophysiologische Erklärungen
Heute ist folgende Hypothese von Neurophysiologen für die Wirkung der Akupunktur vor allem in der Schmerztherapie gängig. Bei einer äußerlichen (peripheren) Stimulation mit einer Akupunkturnadel werden bestimmte Nervenzellen angeregt. Eine wirkliche Stimulation drückt sich in Taubheit, dumpfen Schmerz, Druck oder Spannungsgefühl aus. Von den äußerlichen Auslösepunkt werden hierauf Impulse zum Rückenmark gesendet.

Periphere Schmerzen in Haut, Gelenk und Organen werden direkt im Rückenmark gemeldet. Im Rückenmark kommt es bei der Akupunkturstimulation zur Freisetzung von Botenstoffen. Durch die freigesetzten Substanzen wird eine Schmerzübertragung auf der Rückenmarksebene blockiert und damit eine analgetischen Effekt erzeugt, das heißt die Schmerzempfindung wird aufgehoben.

Die Impulse werden außerdem vom Rückenmark weitergeleitet an das Mittelhirn. Dort werden in Folge Botenstoffe freigesetzt, die auf die Rückenmarkszellen wirken und eine Schmerzweiterleitung ebenfalls verhindern. Der nächst höher gelegene Bereich ist Hypothalamus. Dort wird unter anderem Beta-Endorphin freigesetzt. Die Schmerzforschung schreibt den Endorphinen zu, sie könnten eine vollständige Blockade der Schmerzübertragung bewirken.

Somit würden die Akupunkturnadeln durch ihre Stimulation die Bildung von schmerzhemmenden Substanzen im menschlichen Organismus auslösen.

Doch trotz all dieser Erkenntnisse muss gesagt werden: Die Vielzahl und ungeheure Vielfältigkeit der Akupunkturwirkung lässt sich mit Mitteln der klassischen Medizin nach wie vor nicht annährend erklären.

Zurzeit sind fast alle gesetzlichen Krankenkassen an „Modellprojekten für Akupunktur“ beteiligt. In diesem Rahmen werden die Kosten ganz oder fast ganz übernommen. Wenn Sie weitere Informationen dazu haben wollen, gibt Ihnen unser Praxisteam gern Auskunft darüber.

Am Felsenkeller 6 01796 Pirna Telefon: 03501 - 52 84 65 Telefon: 03501 - 52 84 65 Fax: 03501 -79 02 03 eMail: pirna@enderlein-maass.de