Orthopädische Gemeinschaftspraxis

Dr. med. Lutz Enderlein/Sabine Maaß/Stephan Heisch

Fußerkrankungen

Hallux valgus
Die meisten Menschen machen sich erst dann Gedanken über ihre Füße, wenn Schmerzen auftreten. Dabei ist der Fuß tagtäglich enormen Belastungen ausgesetzt. Jede Art der Belastung, ob ruhiges Stehen, Gehen, Springen oder schnelles Rennen erfordert großes Anpassungsvermögen in jeder Bewegungsphase und in jedem Gelände. Kein Körperteil ist dabei so belastet wie die Füße.Eine der häufigsten krankhaften Veränderungen des Fußes stellt der Hallux valgus dar. Dabei handelt es sich um eine schmerzhafte Deformation am Ballen der Großzehe. Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist dieser weniger durch falsches Schuhwerk als durch eine erbliche Veranlagung bedingt. Hierbei kommt es, möglicherweise durch lockeres Bindegewebe, zu einem Absinken des Fußgewölbes, was über den Senk-Spreiz-Fuß oft zum Hallux valgus führt.
Je länger die Entwicklung zum Hallux valgus unbehandelt voranschreitet, desto mehr verformt sich der Fuß und umso mehr zusätzliche Beschwerden treten auf: am Ballen des Mittelfußköpfchens bilden sich Entzündungen, an der Fußsohle unter den Mittelfußköpfchen entstehen schmerzhafte Hornhautschwielen als Zeichen der Drucküberlastung, die kleineren Zehen können sich zu Hammerzehen und Krallenzehen verformen, auf und zwischen den Zehen bilden sich sehr schmerzhafte Schwielen (so genannte Hühneraugen).

Die Behandlung des Hallux valgus besteht anfänglich in gut angepassten Schuheinlagen, die dem Senk-Spreizfuß wirksam vorbeugen. Fußgymnastik zur Kräftigung von Muskulatur und Halteapparat des Fußes sind ebenso wichtig wie regelmäßige Pflege des Fußes und Vermeidung von Übergewicht. Vollkommen aufhalten lässt sich die Entwicklung eines Hallux valgus jedoch nicht, früher oder später werden operative Maßnahmen zur Korrektur der Fehlbildung oder die Versorgung mit orthopädischen Schuhen unvermeidlich.

Die Notwendigkeit zu einer Operation ist gegeben, wenn

Mit den Operationsverfahren der modernen Fußchirurgie können die schmerzhaften Veränderungen beseitigt und die normale Funktion wiederhergestellt werden. Es gibt keine absolute Altersgrenze, solange noch eine ausreichende Gehfähigkeit und der Wunsch zur Operation besteht. Die neueren und neuesten Operationsverfahren sind alle darauf ausgerichtet, das Gelenk der Großzehe funktionstüchtig zu erhalten und die anatomischen Verhältnisse des Fußes wiederherzustellen. Leider ist heute immer noch die Einstellung gegen eine Operation weit verbreitet, was Folge der frührer oft unbefriedigenden bis schlechten Operationsergebnisse ist. Der Rat mit einer Operation möglichst lange zu warten bis es gar nicht mehr geht („ Sie laufen nachher noch schlechter...“), sollte bei den heute verfügbaren Operationsverfahren nicht mehr üblich sein. Unnötig langes Hinausschieben einer Operation führt nur zu einem längeren Leidensweg mit eingeschränkter Lebensqualität für viele Jahre.

Die Operation des Hallux valgus kann ambulant oder mit sehr kurzem Klinikaufenthalt durchgeführt werden. Das kurzstationäre Vorgehen mit 1-2 Übernachtung bietet Vorteile:

Bei jeder Operation am Vorfuß wird ergänzend zur Narkose eine örtliche Betäubung (ein sog. Fußblock) gesetzt. Dadurch werden in den ersten 12-24 Stunden Schmerzen sicher gelindert. Die Angst vor der sonst sehr schmerzhaften Operation ist damit unbegründet.
Die meisten OP-Verfahren ermöglichen eine führe Mobilisierung im Vorfußentlastungsschuh oder Verbandschuh. Volle Belastung in einem bequemen Turnschuh ist in der Regel bereits nach 3-4 Wochen möglich.

Je nach Ausmaß der Hallux-valgus-Fehlstellung kommen verschiedene Operationsverfahren in Betracht. Die am häufigsten durchgeführte Operation ist die Korrektur nach AUSTIN, auch Chevron-Osteotomie und die Scarf-Osteotomie. Bei den genannten Operationen wird das Köpfchen des ersten Mittelfußknochens vom Knochenschaft getrennt und soweit verschoben, bis die Fehlstellung ausreichend korrigiert ist. Da die Verschiebung nicht beliebig weit erfolgen kann, lassen sich mit diesem Verfahren nur leichte bis mittelschwere Hallux-valgus-Fehlstellungen korrigieren.

Sehr ausgeprägte Fehlstellungen erfordern andere Verfahren, wie z.B. die Basis-Keilosteotomie. Diese kann allerdings im Gegensatz zur Austin- und zur Scarf-Op erst nach 6-8 Wochen voll belastet werden. Bei dem Operationsprinzip nach Stoffella gelingt es, über eine dynamische Osteosynthesetechnik mit dem LINK Hallux-Fixateur interne nach Stoffella zu einer belastungsstabilen Osteosynthese zu kommen. Nur über 3 Tage sind bei voller Mobilität des Patienten Antithrombosemaßnahmen notwendig.

Ist das Gelenk der Großzehe bereits zu weit verändert, kann eine gelenkerhaltende Korrektur des Hallux valgus nicht mehr durchgeführt werde. In diesen Fällen kommt die Gelenkversteifung (=Arthrodese) in Betracht. Damit können größere Fehlstellungen der Großzehe korrigiert und Schmerzen bei der Belastung dauerhaft behoben werden, obwohl die Beweglichkeit im Grundgelenk damit vollständig verloren geht, sind Einschränkungen der Belastbarkeit und der sportlichen Aktivitäten nicht zu befürchten. Selbst Joggen, Tanzen, Tennis, Wandern und andere Belastungen können ohne wesentliche Einbuße wiederaufgenommen werden.

Soll das Gelenk jedoch beweglich erhalten werden, steht der Gelenkersatz durch eine Keramikprothese zur Verfügung. Welche der vielen Operationsverfahren den besten Weg zur Wiederherstellung der Funktionstüchtigkeit darstellt, muss durch eine eingehende Untersuchung geprüft werden. Die Vielzahl moderner Operationsmethoden ermöglicht aber immer eine deutliche Verbesserung der Gehfähigkeit und der Belastbarkeit. Gelenkverstümmelnde Operationen, wie sie sich noch vor wenigen Jahren als Standardoperation durchgeführt wurden, sollten heute aus den Operationsälen verschwunden sein.

Weitere Fußerkrankungen

1. Hammerzehen
Es handelt sich um eine Fehlstellung der Zehen mit kräftiger Beugung des Mittelgelenkes mit Hornhautauflagerung. Es kann zu schmerzhaften Hautreizungen und Entzündungen kommen.
Die Hammerzehe kann operativ korrigiert werden. Ein Teil des Zehengrundgliedknochens wird entfernt, so dass wieder Platz entsteht, um die Zehe zu strecken. Die korrigierte Stellung wird 2 bis 3 Wochen mit einem Draht fixiert.

2. Fersensporn
Durch eine Fehlbelastung des Fußes kommt es zur Reizung am Fersenbein. Eine konservative Behandlung mit Krankengymnastik, physiotherapeutischer Behandlung und Einlagen ist meist ausreichend, die operative Versorgung ist nur sehr selten notwendig.
Die operative Spaltung der Plantaraponeurose ist ein Kompromiss, wobei eine Schmerzlinderung mit einer Sehnenplattenschwäche und einem Statikverlust erkauft wird.
Der sich bildende Fersensporn ist nicht Ursache des Übels, sondern die chronische Reizung der Sehnen des Fußgewölbes.

3. Der Spreizfuß
Das Körpergewicht wird beim Barfußgehen auf eine relativ geringe Fläche, die Fußsohle, verteilt. Diese ist aber nicht, wie die Technik sonst üblich, eine plane Fläche, sondern eine durch Muskeln, Knochen, Gelenke, Sehnen und Bänder gebildete höchst komplexe Struktur, die auch auf unebenem Gelände, spitzen Steinen oder beim Klettern optimale Bodenhaftung und die Erhaltung des Gleichgewichts erlaubt. Die hohe Empfindlichkeit der Fußsohle ermöglicht eine schnelle aktive Anpassung der Sohlenform an den darunter liegenden Boden, unter der Voraussetzung, dass die für eine solche Anpassung notwendige Fußmuskulatur ausreichend trainiert ist.
Wer aus dem Fernsehen Bilder von Massai-Kriegern aus Afrika kennt, die in Marathon mit nackten Füßen Dutzende von Kilometern durch die Steppe laufen, und sie mit den Verrenkungen des durchschnittlichen Mitteleuropäers vergleicht, der im Urlaub auf einem Kieselstrand wenige Meter bis zum tiefen Wasser zurücklegen will, kann sehr schnell ermessen, wie es bei uns um diesen Trainingszustand bestellt ist. Die seit der frühen Kindheit von Anpassungsreizen durch Schuhe geschützten Füßen sind zu solchen Reaktionen nicht in der Lage, eine aktive Druckverteilung findet nicht mehr statt. Liegt zusätzlich eine bestimmte Formabweichung der knöchernen Elemente vor, kommt es zu Drucküberlastungen, die wiederum Schmerzen und Hornhautschwielen der Fußsohle bewirken. Eine typische Stelle für solche Überlastungen sind die Areale unter den Mittelfußköpfchen, die entsprechenden Beschwerden werden als „Spreizfuß“ zusammengefasst. Die Bezeichnung entstammt der veralteten Vorstellung eines „Fußgewölbes“, das „auseinandergespreizt“ wäre.

Die Behandlung kann bei den genannten Fußerkrankungen mit Physiotherapie, Einlagen oder durch eine operative Versorgung erfolgen.

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