Orthopädische Gemeinschaftspraxis

Dr. med. Lutz Enderlein/Sabine Maaß/Stephan Heisch

Osteoporose (Knochenschwund)

Was ist Osteoporose?

Osteoporose ist eine Stoffwechselerkrankung der Knochen. Durch den Abbau von Knochenmasse verliert der Knochen seine Stabilität. Schmerzhafte Knochenbrüche sind die Folge.

Frauen leiden häufiger an Osteoporose als Männer. Etwa ein Drittel aller Frauen über 60 Jahre ist betroffen. Insgesamt rechnet man in Deutschland mit bis zu sieben Millionen Menschen. Mehr als 130.000 Bundesbürger erleiden pro Jahr einen Oberschenkelhalsbruch und Wirbelbrüche. Diese Brüche führen nach mehrjährigem Krankheitsverlauf dazu, dass ein Drittel der Patienten auf Hilfe im Alltag angewiesen sind.

Bestehen bereits Knochenbrüche, ist eine Behandlung sehr schwierig. Daher ist es wichtig, vorzubeugen.

Wie entsteht Osteoporose?

Knochen bestehen aus einem Gewebe, das ihnen die Form gibt (Matrix) und dem Mineralstoff Kalzium. Der Mineralstoff wird in diese Matrix eingelagert und macht den Knochen hart und dicht.

Das Knochengewebe ist eine lebende Verbindung von Zellen, die ständig neu aufgebaut, umgebaut und abgebaut werden. Bis zum 40. Lebensjahr überwiegen die Aufbauprozesse. Ab dem 40. Lebensjahr wird jährlich ein geringer Prozentsatz der Knochenmasse wieder aufgebaut. Die Regulation des Auf- und Abbaus erfolgt unter anderem durch verschiedene Hormone.

Vitamin D und das Schilddrüsenhormon Calcitonin lagern Kalzium in den Knochen ein. Das Parathormon aus der Nebenschilddrüse dagegen löst es aus dem Knochen heraus. Die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron sind verantwortlich für die Bildung und Wirkung dieser „Knochenhormone“.

Bei Osteoporose ist dieser Regulationsmechanismus gestört. Das Knochenmaterial wird weit über das normale Maß hinaus abgebaut. Die Matrix wird löchriger und Kalzium wird nicht ausreichend eingebaut. Dadurch wird der Knochen dünner und kann leichter brechen. Brüche, aber auch die Zerstörung der Knochenstruktur selbst können sehr schmerzhaft sein.

Ursachen der Osteoporose

Die häufigste Ursache von Osteoporose ist der Östrogenmangel bei Frauen nach den Wechseljahren. Männer sind von einem Testosteronmangel dagegen nur selten betroffen. Etwa zehn Jahre nachdem die Hormonproduktion eingestellt wurde, kann es zum ersten Knochenbruch kommen, vor allem von Wirbelbrüchen.

Ebenfalls häufig ist die Altersosteoporose ab dem 70. Lebensjahr. Sie tritt bei beiden Geschlechtern auf. Brüche ereignen sich vor allem am Oberschenkelhals. In diesem Alter sind vor allem jahrelange geringe Bewegung und Mangelerscheinungen an Kalzium und Vitamin D die Ursache.

Osteoporose wird durch Umstände begünstigt, die einen stabilen Knochenaufbau bis zum 40. Lebensjahr verhindern:

Aber auch andere Erkrankungen oder Medikamente rufen das Erscheinungsbild Osteoporose hervor:

Welche Beschwerden treten bei Osteoporose auf?

Zu Beginn der Erkrankung treten nur wenige Beschwerden wie gelegentliche Rückenschmerzen auf. Typisch für die fortschreitende Osteoporose sind Knochenbrüche, ohne dass eine Verletzung vorausging. Diese Brüche führen zu starken Schmerzen und Fehlstellungen, die wiederum starke Muskelverspannung auslösen.

Typisch für die hormonell bedingte Osteoporose sind Einbrüche der Wirbelkörper. Sie werden häufig als Hexenschuss fehlgedeutet. Dadurch werden die werden die Patienten immer kleiner, es entsteht ein Rundrücken (Witwenbuckel).

Wie stellt der Arzt die Diagnose Osteoporose?

Ihre Beschwerden und die klinische Untersuchung geben dem Arzt erste Hinweise. Mit Laborunter-
Suchungen von Urin und Blut kann der Arzt die Ursache der Osteoporose näher bestimmen. Die Knochendichte kann durch eine Dichtemessung (Densitometrie) bestimmt werden. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Patienten, die trotz normaler Werte bei der Dichtemessung osteoporosebedingte Knochenbrüche erleiden. Veränderungen im Röntgenbild sieht man erst, wenn bereits etwa 30 Prozent der Knochenmasse abgebaut sind oder wenn Knochenbrüche vorliegen. In seltenen Fällen wird eine Knochenprobe entnommen.

Wie behandelt der Arzt eine Osteoporose?

Wichtig ist die frühe Behandlung noch vor dem ersten Knochenbruch. Hat der Körper erst einmal Knochenmasse verloren, ist ein Wiederaufbau schwierig. Ziel der Behandlung ist deshalb in erster Linie, das Gleichgewicht zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau wieder ins Lot zu bringen und Knochenbrüche zu vermindern.

Die Behandlung erfolgt mit Medikamenten, physikalischer Therapie und spezieller Therapie bei Brüchen.

Medikamentöse Behandlung

Basistherapie ist die tägliche Zufuhr von 1000 – 1500 mg Kalzium und mindestens 400 - 800 Einheiten Vitamin D. Wird der Bedarf durch die Nahrung nicht gedeckt, kann man beides auch durch Medikamente ergänzen.

Der Knochenabbau kann bei Frauen mit Östrogenen bzw. bei Männern mit Testosteron, weiterhin Bisphosphonaten, selektiven Östrogen-Rezeptor-Modulatoren und Calcitonin vermindert werden. Fluoride stimulieren den Knochenaufbau.

Vor Knochenbrüchen schützen am besten Biphosphonate. Sie senken das Risiko um etwa 50 Prozent. Aber auch die Geschlechtshormone, Calcitonin und Fluoride mindern das Bruchrisiko. Calcitonin lindert zusätzlich Schmerzen in der Wirbelsäule.

Achtung: pflanzliche Medikamente gegen Wechseljahresbeschwerden schützen nicht vor Osteoporose!

Die Osteoporose kann im Teufelkreis enden. Die Wirbelbrüche verursachen Schmerzen, dadurch bewegt man sich weniger. Doch wenn man körperlich nicht aktiv ist, schreitet der Knochenabbau immer rascher voran. Diese Schmerzen sind sinnlos und müssen auf jeden Fall behandelt werden. Haben Sie daher keine Angst vor einer regelmäßigen Schmerztherapie auch mit starken Schmerzmitteln. Die moderne Schmerztherapie kann auch starke Schmerzen mit wenig Nebenwirkungen behandeln.

Physikalische Therapie

Man muss keine sportlichen Höchstleistungen vollbringen. Schon regelmäßiges Spazierengehen und zweimal pro Woche eine halbe Stunde Rückenschwimmen oder Wassergymnastik fördern den Knochenaufbau. Besser noch sind zweimal pro Woche gezieltes Kraft- und Koordinationstraining sowie ein Gehtraining oder ein leichtes Lauftraining. Mit krankengymnastischen Übungen werden Muskelverspannungen durch Fehlbelastung gelindert.

Schmerzlindernd wirken örtliche Wärmeanwendung wie Moorbäder oder Fangopackung.

Behandlung von Brüchen

Knochenbrüche müssen meistens operiert werden. Bei einer Oberschenkelhalsfraktur wird häufig ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt. Wirbelkörperbrüche können durch speziell angepasste Stützmieder (Orthesen) stabilisiert und entlasten werden.

Wie kann man einer Osteoporose vorbeugen?

Das erfolgreichste Mittel gegen Osteoporose ist die Vorbeugung. Folgendes sollten Sie dabei beachten:

Wie können Sie selbst tun bei Osteoporose?

Wenn Sie bereits an einer Osteoporose leiden, ist bei Ihnen die Gefahr von Knochenbrüchen sehr hoch.
Daher sollten Sie folgendes beachten:

Prognose

Unbehandelt schreitet die Osteoporose voran und führt auf Dauer zu vielfachen Knochenbrüchen und sehr starken Knochenschmerzen. Diese Bewegungseinschränkung und die Dauerschmerzen führen zu Invalidität und Abhängigkeit von fremder Hilfe. Eine Einweisung in ein Pflegheim ist dann oft unumgänglich. Die Vorbeugung und die Behandlung der Osteoporose können in den meisten Fällen sowohl der Entstehung als auch dem Voranschreiten der Erkrankung und den Komplikationen entgegenwirken.

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